Der Jojoeffekt im Kapitalmarkt – Deshalb schwanken Aktienkurse

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Du hast es schon gehört. Die Zinsen sind um Null oder sogar negativ, Inflation steigt, deine Ersparnisse schwinden. Du überlegst also, am Aktienmarkt einen Teil deines herumliegenden Geldes zu investieren. Doch der Gedanke an schwankende Aktienkurse und das damit verbundene Risiko hält dich davon ab? In diesem Artikel erklären wir, warum Aktienkurse überhaupt schwanken (teilweise sogar stark) und warum dies kein Grund zur Sorge ist.

Kurzes Aktien Recap

Kaufst du eine Aktie, so wirst du zu*r Aktionär*in. Das bedeutet, dass dir nun ein Anteil eines Unternehmens gehört. Als Belohnung dafür, dass du in eine Aktie investierst und das damit verbundene Risiko in Kauf nimmst, erhältst du eine Dividende, dessen Höhe vom Erfolg des Unternehmens abhängt. Zudem profitierst du, wenn der Wert der Aktie steigt und du diese mit Gewinn wieder verkaufen kannst. In unserem Artikel Die fünf größten Investment-Buzzwords kannst du nochmal nachlesen, was Aktien genau sind.

Bulle und Bär

Für die Beschreibung des Aktienmarktes wird die Allegorie des Bullen und Bären verwendet. Ein Bullenmarkt beschreibt einen steigenden Trend. Anleger*innen sind zuversichtlich und zum Kauf ermutigt. Die Wirtschaft ist in der Regel stark und die Arbeitslosigkeit niedrig. Genauer gesagt: Beim Bullenmarkt ist der Wert des Marktes um 20% gegenüber dem Jahreshoch gestiegen.

Ein Bärenmarkt ist das Gegenteil eines Bullenmarktes: Der Markt gegenüber dem Jahreshoch fällt um 20%. Dieser ist durch Pessimismus der Anleger*innen gekennzeichnet, der dazu führen kann, dass die Kurse weiter fallen, was die negative Stimmung noch verstärkt.

Wenn du an das Kampfverhalten der beiden Tiere denkst, kannst du dir die Bedeutungen leicht merken. Der Bär schlägt mit seiner Pranke nach unten; der Bulle stößt mit seinen Hörnern nach oben.

Angebot und Nachfrage

Kursschwankungen sind bei Aktien etwas ganz Normales. Stell dir den Aktienmarkt wie eine riesige Auktion vor, bei der Anleger*innen gleichzeitig Gebote für die Aktien anderer abgeben und ihre Eigenen zum Verkauf anbieten. Der Kauf und Verkauf von Aktien läuft über die Kapitalmärkte, also die internationalen Börsen. Übertrifft die Nachfrage das Angebot, so steigt der Aktienkurs. Mehr Menschen möchten also in ein Unternehmen investieren, als Aktien vorhanden sind – das treibt den Preis. Umgekehrt fällt der Kurs, wenn Menschen ihre Aktien wieder loswerden möchten. Deshalb ändert sich der Preis von Aktien ständig, bei häufig gehandelten Aktien sogar sekündlich. Die Aktien von Apple werden etwa im Durchschnitt fast 30 Millionen Mal pro Tag gehandelt. Das bedeutet, dass jede Sekunde über 1000 Gebote abgegeben werden!

Warum schwanken Aktienkurse?

Da es ein begrenztes Angebot an Aktien gibt, konkurrieren Bieter*innen untereinander. Je beliebter eine Aktie, desto größer die Nachfrage und desto weniger sind die derzeitigen Aktionär*innen bereit, eben diese Aktien zu verkaufen. Infolgedessen steigt der Aktienkurs. Dies gilt natürlich auch für die umgekehrte Richtung. Lässt das Interesse für eine Aktie nach, wie das etwa für Gamestop der Fall war, so gibt es weniger Nachfrage nach dieser Aktie und gleichzeitig wollen Aktionär*innen diese Aktien verkaufen – der Aktienkurs sinkt.

Das Interesse der Anleger*innen bestimmt also den Kurs einer Aktie. Ob bewusst oder unbewusst, Anleger*innen beziehen jede neue Information in ihren Eindruck (und somit dem Kauf oder Verkauf) von einer Aktie mit ein. Diese Informationen reichen von Ertragsberichten, dem Aktienkurs über Nachrichten, Pressemitteilungen, Gerichtsakten, Verstorbenen News bis hin zu Tweets, Social Media Posts und dem allgemeinen Hype – weißen Turnschuhen etwa. Je nachdem, wie Anleger*innen auf neue Informationen reagieren, entscheiden sie sich zum Kauf, Halten oder Verkauf einer Aktie. Diese Reaktionen verursachen Schwankungen des Aktienkurses.

Jetzt stell dir vor, dass dieser Zyklus von Angebot und Nachfrage sich bei Millionen von Anleger*innen und Aktien auf der ganzen Welt jeden Tag wiederholt, und du hast eine Vorstellung der Mechanismen, die die täglichen Aktienkursschwankungen beeinflussen. Da es nahezu so unwahrscheinlich ist, das Verhalten von diesen zum Großteil irrational handelnden Menschen vorauszusagen, wie als Linkshänder zu sterben, weil man Rechtshänderprodukte falsch gebraucht hat (Wahrscheinlichkeit 0,00014%), empfiehlt es sich, dies auch nicht zu tun.

Der Jojo-Effekt – Diäten sind überflüssig

Sofern du nicht die Zukunft im Teesatz lesen kannst, würden wir also eher von der Market-Timing Strategie abraten.  Wenn du hingegen langfristig in ein breit gestreutes Portfolio investierst, kannst du von der kurzfristigen Irrationalität des Marktes und den daraus resultierenden schwankenden Aktienkursen profitieren. Aus diesem Grund ist unser Ansatz eine sehr breite Streuung über mehrere Märkte hinweg mit einem längerfristigen Fokus und einer regelmäßigen Geldanlage. Du kannst die Schwankungen des Marktes für dich nutzen, wenn du dein Geld über einen langen Zeitraum investierst. Das Stichwort zum Erfolg in der Welt des Investierens ist ein Sparplan, der einen glättenden Durchschnittseffekt (“Cost-Average-Effekt”) ermöglicht. Die Logik dahinter ist simpel. Wenn du regelmäßig Beträge in den Aktienmarkt investierst (zum Beispiel 100 Euro pro Monat), dann erhältst du den Durchschnittspreis der ausgewählten Aktien. So glättest du Schwankungen aus und profitierst langfristig vom Erfolg deiner Geldanlage.

Hanna Hodel