Was du über Inflation wissen musst

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Du hast das Wort Inflation bestimmt schon oft gehört – vor allem in den Nachrichten – aber was genau ist Inflation, was bewirkt sie, und wie wirkt sie sich auf deine Finanzen aus? Das erklären wir dir in diesem Artikel. 

Was genau ist Inflation?

Inflation heißt übersetzt „aufblähen“ und ist das Maß dafür, um wieviel Preise für Waren und Dienstleistungen im Laufe der Zeit steigen. Die Inflationsrate gibt in Prozent an, um wie viel die Preise der gesamten Wirtschaft in einem Jahr steigen. 

Wichtig ist noch zu verstehen, dass die Preise nicht für alles gleich stark steigen. Ein Beispiel: Bei einer Inflationsrate von 2% steigen die Preise von Äpfeln und Kugelschreibern nicht jeweils um genau 2%. Aber im Durchschnitt steigen die Preise aller Waren (also aller Sorten Äpfel, die du auf dem deutschen Markt findest und aller Kugelschreiber jeglicher Farben und Formen sowie aller anderen Waren und Dienstleistungen) um 2%.

Wie wird Inflation gemessen?

Um Inflation zu messen, wird ein für die Wirtschaft repräsentativer Warenkorb mit 600 Waren (Äpfel und Kugelschreiber kennst du nun schon) und Dienstleistungen (beispielsweise von Blogger*in, Songwriter) zusammengestellt. Die Preise dieser Waren und Dienstleistungen werden ermittelt und mit den Preisen im Vorjahr verglichen. Der prozentuale Anstieg entspricht der Inflationsrate.

Warum gibt es Inflation?

Drei Faktoren beeinflussen die Inflation: Steigende Geldmenge, erhöhte Nachfrage und mangelndes Angebot. Aber eins nach dem anderen.

Steigende Geldmenge: Teilweise entscheidet die Zentralbank die Geldmenge zu erhöhen. Damit soll die Liquidität (die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel) von Menschen und Firmen steigen, was wiederum die Wirtschaft anregen soll. Wenn aber die Geldmenge mehr steigt als die Menge an Waren und Dienstleistungen (Output), dann steigen die Preise. 

Ein einfaches Beispiel macht dies deutlich: stell dir vor, es gibt in einer Volkswirtschaft nur 2 Güter, z.B. 2 gleiche Rennräder. Dem steht eine Geldmenge von 4.000 EUR gegenüber, also 2.000 EUR je Rennrad. Erhöht die Zentralbank nun die Geldmenge beispielsweise auf 6.000 EUR, ohne dass mehr Rennräder oder auch andere Outputs angeboten werden, so würde jedes Rennrad 3.000 EUR kosten. Die Preise für Rennräder steigen – du verdienst aber nicht mehr. Es kommt zur Geldmengeninflation. 

Erhöhte Nachfrage: Erinnern wir uns an ein uraltes volkswirtschaftliches Konzept: ist die Nachfrage größer als das Angebot, so werden Preise in die Höhe getrieben. Eine gesteigerte Nachfrage kann verschiedene Hintergründe haben, vielleicht ist ein Produkt gerade angesagt – oder eine Pandemie bricht aus und es wollen plötzlich alle Masken oder Klopapier kaufen. Steigt nun die Nachfrage nach bestimmten Outputs, so steigen die Preise, vorausgesetzt die Produktion kann (zumindest kurzfristig) nicht gesteigert werden. Die Nachfrage ist größer als das Angebot. Die Preise steigen. Es kommt zur Nachfrageinflation.

Mangelndes Angebot: Knappheit eines Outputs erhöht den Preis. Gold ist etwa ein begrenzter Rohstoff, der sehr teuer ist. Auch Erdöl ist nur begrenzt auf der Welt vorhanden. Wenn jetzt zum Beispiel die Handelsbeziehungen Deutschlands mit einem Erdölproduzenten den Bach runtergehen, so erhöht sich der Preis bei gleichbleibender Nachfrage. Unternehmen geben gestiegene Kosten an Konsument:innen weiter. Daraufhin verlangen Arbeitnehmende höhere Löhne. Hierdurch steigen die Produktionskosten der Unternehmen. Es kommt zur Angebotsinflation.

Und was ist Deflation?!

Deflation ist das Gegenteil von Inflation. Die Preise sinken, Güter und Dienstleistungen werden günstiger. Verbraucher*innen können mehr für ihr Geld kaufen. Das Problem der Deflation oder zu niedriger Inflation ist, dass die Menschen entmutigt werden zu konsumieren, da sie denken, dass die Preise weiter fallen. Auch wenn der Gedanke an niedrigere Preise großartig klingt, kann der anhaltende Rückgang der Ausgaben das Wirtschaftswachstum bremsen, so dass Unternehmen bankrott gehen und die Arbeitslosigkeit steigt. Deflation ist langfristig Gift für die Wirtschaft.

Die Zentralbanken als Aufpasserinnen

Die sogenannten Zentralbanken regeln die Finanzmärkte und halten quasi als Aufpasserinnen die Inflation im Zaum. In Deutschland ist die Europäische Zentralbank (EZB) dafür zuständig, die Inflation zu steuern. Die EZB erhöhte vor Kurzem ihr Inflationsziel auf zwei Prozent; ein Ziel, das aktuell nicht erreicht ist.

Inflation in Deutschland

Die Inflation in Deutschland ist mit 3,9 Prozent auf dem höchsten Stand seit knapp 30 Jahren. Im August 2021 waren Waren und Dienstleistungen durchschnittlich 3,9 Prozent teurer verglichen zum Vorjahresmonat. Das Statistische Bundesamt geht sogar davon aus, dass der Wert weiter hochklettert auf 5 Prozent! 

Was bedeutet Inflation für dich und deine Finanzen?

Inflation frisst dein Erspartes auf. Sie führt dazu, dass du an Kaufkraft verliert – oder einfacher gesagt: Du kannst dir in der Zukunft mit einer gleichen Summe an Geld weniger leisten als heute. 

Schauen wir uns einmal ein einfaches Beispiel an, um zu verstehen wie Inflation sich auf dein Geld auswirkt. Bei einer Inflationsrate von knapp 4 Prozent über die nächsten 10 Jahre sind deine 100 EUR nur noch 62 EUR wert. Anders ausgedrückt hast du 38 EUR verloren und somit ~40% an Kaufkraft eingebüßt.

Inflation und was jetzt?

Mit Zinsen um Null und steigender Inflation wird dein Erspartes regelrecht aufgefressen. Dein auf dem Sparkonto rumliegendes Geld ist morgen weniger wert als heute. Daher solltest du dir über Alternativen Gedanken machen und dein Geld sinnvoll anlegen – damit dein hart Erspartes mit der Zeit nicht weniger, sondern mehr wird. 

Hanna Hodel