Decentralized Finance und die Zukunft des Bankings

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Im Rahmen des ersten UnitPlus Investment Summits, hat Co-Founder und CTO von Unstoppable Finance, Peter Großkopf, einen Vortrag über Decentralized Finance und die Zukunft des Bankings gehalten. Hier findest du das Wichtigste zum Thema zusammengefasst.

Blockchain

Den Begriff Blockchain hören wir immer öfter, vor allem im Kontext von Kryptowährung. Auch um das Konzept der Decentralized Finance zu verstehen, ist der Begriff essenziell. Was steckt also dahinter?

Durch eine Blockchain wird eine fälschungssichere Übermittlung von Informationen, mithilfe einer dezentralen und von vielen Teilnehmer*innen gemeinsam genutzten Datenbank, ermöglicht. Die Datenbank ist auf vielen Rechnern in einem Peer-to-Peer-Netzwerk abgelegt, wobei jeder neue Knoten eine vollständige Kopie der Blockchain bildet. Sie haben außerdem die Aufgabe, Transaktionen zu dokumentieren und zu überprüfen. Die jeweiligen Knoten kennen einander nicht und vertrauen sich. 

Konkret läuft das so ab: Irgendjemand initiiert einen Prozess, indem er einen Datensatz (Block) generiert, welcher dann von einer Vielzahl an Rechnern im Netzwerk verifiziert und gespeichert wird. Der hierbei entstandene Block wird kryptografisch verschlüsselt an eine Kette (Chain) von Datensätzen angehängt. Daher der Name Blockchain. Durch das Anhängen an die Kette entstehen sehr viele einzigartige Datensätze mit einer jeweils eigenen nachvollziehbaren Historie. Blockchains sind also sichere, stets aktuelle Verzeichnisse, durch die sich digitale Transaktionen verlässlich und nachvollziehbar für die Teilnehmer*innen dokumentieren lassen. 

Die Bitcoin Blockchain war das erste Projekt, welches die Funktionalität des Konzeptes der Blockchain bewiesen hat. Mit der Kryptowährung Ethereum wurde daraufhin das Konzept von intelligenten Verträgen (Smart Contracts) eingeführt, wobei es sich um eine Art digitalen Vertrag handelt, der auf Blockchain-Technologie basiert. Die Bedingungen zwischen „Käufer*innen“ und „Verkäufer*innen“ werden dabei direkt in die Codezeilen geschrieben. 

Heutige Finanzdienstleistungen

Marc Andreessen, Co-Founder der Wagniskapitalfirma Andreessen Horowitz, argumentierte 2011 „Software is eating the world“. Damit meinte er die durch das Internet und Software ausgelöste Revolution verschiedener Branchen. So hat Amazon den Einzelhandel revolutioniert, Spotify die Musikbranche und Netflix die Art, wie wir Filme und Serien konsumieren. Weitestgehend unverändert von der Software-Revolution blieb jedoch die Finanzdienstleistungsbranche. Diese wird durch Finanzdienstleister, Institute und Banken geführt. Die jeweiligen Anbieter*innen benötigen Lizenzen, um sicherstellen zu können, dass die lokalen Gesetzesanforderungen erfüllt werden. Zudem besitzt jedes Teilgebiet der Branche eigene Regelungen, weshalb es nur eine Handvoll Global Player gibt. Das Tagesgeschäft wird hauptsächlich mit Technologie aus den 90er Jahren geführt und Echtzeit-Transaktionen bilden immer noch die Ausnahme. 

Peter Großkopf sieht die FinTech-Bewegung somit als Antwort auf die versäumte Anpassung der Branche auf die veränderten Kundenbedürfnisse. Probleme, die aufgrund des heutigen Umfeldes entstehen, kriegen wir immer wieder in Form von Skandalen mit: Wirecard, Cum-Ex, Lehman-Brothers sowie Geldwäsche sind einige davon. Das Problem ist, dass Regulierung auf Reaktionen basiert und nicht überall stattfinden kann. Außerdem wird es überall wo Menschen involviert sind, Manipulation, falsche Anreize und Betrug geben.

Die Finanzdienstleistung von morgen: Decentralized Finance (DeFi)

Decentralized Finance beschreibt Finanzdienstleistungen, die durch „Smart Contracts” bereitgestellt und von Blockchain-Technologie angetrieben werden. Wichtig: Es handelt sich nicht um ein System, das auf Kryptowährungen basiert, sondern der Blockchain-Technologie. Zugänglich gemacht wird DeFi durch sogenannte „Non-Custodial-Wallets”. Diese sind ein Tool, was es Nutzer*innen ermöglicht, einen virtuellen Geldbeutel (Wallet) mit dem zugehörigen Schlüssel (Private Key) zu erstellen, um ihnen Zugang zu einer spezifischen Blockchain zu ermöglichen. Nutzer*innen haben so volle Kontrolle über ihr Vermögen, da man es nicht zur Verwahrung an eine*n Drittanbieter*innen schickt und besitzen es auch tatsächlich, da nur sie den „Private Key” für den „Wallet” haben. „Non-Custodial-Wallets” machen DeFi also zugänglich, doch was sind die Vorteile?

Keine Genehmigungen: Man braucht keine Genehmigung, um teilzunehmen. Jede*r kann DeFi Apps entwickeln, und jede*r kann sie benutzen. Es gibt keine Gatekeeper. „Open Banking“ ist außerdem eingebaut, da jedes „Frontend” oder „Backend” mit einem „Smart Contract” interagieren kann.

Global: Ab Tag eins weltweit verfügbar, da Blockchain überall verfügbar ist. 

Manipulationsfrei: Die Services werden nicht von Instituten oder Mitarbeitern gemanagt – alles befindet sich im Code der „Smart Contracts”. Nachdem die „Smart Contracts” in die Blockchain eingearbeitet wurden, können DeFi Apps autonom betrieben werden und es bedarf wenig bis keine menschliche Intervention mehr. 

Transparenz: Der Code der Blockchain ist transparent und für jeden einsehbar. Somit kann jeder die Richtigkeit und Sicherheit prüfen.

Auch alle Transaktionen sind für alle öffentlich einsehbar. Was sich zuerst wie ein Privatsphärenalbtraum anhört, ist aber keiner, denn alle Transaktionen finden pseudonymisiert statt. Die echte Identität der Nutzer*innen wird also nicht enthüllt. 

Höhere Skalierbarkeit als bei jetzigen Finanzdienstleistern

Welche Use Cases hat Decentralized Finance?

  • Stablecoins (Kryptowährung die an den Wert vom US-Dollar geknüpft ist)
  • Krypto-Lending: Leihe Geld und verdiene Zinsen oder nimm einen Kredit auf
  • Dezentralisierte Börsen
  • Derivative: Synthetische Anlagen wie Aktien

Wenn es nach Peter Großkopf geht, wird DeFi als „Fintech 2.0“ zum Standard der gesamten Branche werden und die jetzigen Technologien und Institute ersetzen.

„Da Blockchain Technologie / DeFi offen, dezentralisiert, nicht manipulierbar und für jeden zugänglich ist, kann sie das beste und transparenteste Finanzdienstleistungsbranchen- und Banken-Ökosystem, das je existiert hat, ermöglichen!“

Peter Großkopf
Mark Heimerl